Wann übermäßiges Schwitzen Krankheitswert hat
Schwitzen ist lebensnotwendig – es reguliert die Körpertemperatur. Von einer Hyperhidrose spricht man erst, wenn die Schweißproduktion das physiologisch nötige Maß deutlich übersteigt und unabhängig von Wärme oder körperlicher Anstrengung auftritt. Betroffene meiden Händeschütteln, wechseln mehrmals täglich die Kleidung oder können bestimmte Berufe kaum ausüben. Der Leidensdruck ist real und medizinisch anerkannt – Hyperhidrose ist keine Frage mangelnder Hygiene.
Primäre und sekundäre Hyperhidrose
Bei der primären fokalen Hyperhidrose schwitzen einzelne Areale – Achseln, Handflächen, Fußsohlen oder Gesicht – ohne erkennbaren Auslöser. Sie beginnt meist in Kindheit oder Jugend, tritt symmetrisch auf und pausiert im Schlaf. Die sekundäre Form ist Folge einer anderen Erkrankung oder von Medikamenten, betrifft häufig den ganzen Körper und tritt auch nachts auf.
Wir behandeln die primäre Form. Steckt eine andere Ursache dahinter, gehört diese zuerst abgeklärt – über Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.
Behandlung mit Botulinumtoxin
Botulinumtoxin ist das wirksamste Verfahren gegen die fokale Hyperhidrose. Der Wirkstoff blockiert die Nervenimpulse, die die Schweißdrüsen ansteuern. In die Achseln injiziert reduziert er die Schweißproduktion nachweislich um 80 bis 90 Prozent, und das über sechs bis neun Monate – deutlich länger als bei der Faltenbehandlung. Wir setzen ein Raster feiner Injektionen dicht unter die Haut; die Sitzung dauert etwa 20 bis 30 Minuten. An Handflächen und Fußsohlen ist die Behandlung ebenso wirksam, aber empfindlicher – wir betäuben dort mit Kälte, Creme oder einer kleinen Nervenblockade.
Ablauf der Botulinumtoxin-Behandlung
Nach Anamnese und Aufklärung setzen wir das Botulinumtoxin in einem gleichmäßigen Raster – bei den Achseln sind das je Seite etwa 10 bis 15 kleine Einstiche mit sehr feiner Nadel. Sie sind sofort wieder gesellschaftsfähig. Die Wirkung setzt nach zwei bis sieben Tagen ein, das Areal bleibt über Monate weitgehend trocken. Eine Nachkontrolle ist im Honorar enthalten.
Wer die Kosten übernimmt
Botulinumtoxin Typ A ist für die schwere primäre Hyperhidrose der Achselhöhlen arzneimittelrechtlich zugelassen, wenn örtliche Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Weil damit eine anerkannte medizinische Indikation vorliegt, erstatten private Krankenversicherungen und die Beihilfe die Behandlung in aller Regel. Sie erhalten von uns eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte mit der entsprechenden Diagnose, die Sie bei Ihrem Versicherer einreichen.
Wir empfehlen, vor der ersten Sitzung einen Kostenvoranschlag einzureichen und die Zusage schriftlich einzuholen – der Erstattungsumfang richtet sich nach Ihrem Tarif. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlung dagegen nicht; für gesetzlich Versicherte ist sie eine Selbstzahlerleistung.
Preise
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Botulinumtoxin beide Achseln | ab 690 € |
| Botulinumtoxin Handflächen | ab 790 € |
| Botulinumtoxin Fußsohlen | ab 790 € |
Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die Kosten für das Präparat sind enthalten. Als medizinisch indizierte Heilbehandlung ist die Leistung umsatzsteuerfrei. Private Krankenversicherungen und die Beihilfe erstatten die Behandlung in der Regel; den Umfang klären Sie vorab mit Ihrem Versicherer. Für gesetzlich Versicherte ist sie eine Selbstzahlerleistung.
Häufige Fragen
Was kostet die Hyperhidrose-Behandlung mit Botulinumtoxin?
Übernimmt die private Krankenversicherung die Behandlung?
Wie lange hält Botulinumtoxin gegen Schwitzen?
Wie stark ist die Wirkung?
Behandeln Sie auch bei anderen Grunderkrankungen?
Schwitzt man danach woanders stärker?
Ist die Behandlung an den Händen schmerzhaft?
Quelle: S1-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ (AWMF-Registernr. 013-059)